Hand zu Hand e.V., Schwarzburger Str. 34, 28215 Bremen, Tel. und Fax 0421 / 37 57 56 Ich sehe, was du sagst!

Menschen, gleich ob hörend oder hörgeschädigt, haben den Wunsch, ihr Leben selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu meistern. Kommt es zu Herausforderungen und Problemen, haben Menschen die Möglichkeit sich an bereits Geschafftes zu erinnern.

Bei bisher unbekannten, herausfordernden Lebensereignissen kann ein gutes Buch helfen, eine Radiosendung zum Thema kann Anregungen geben und Menschen im persönlichen Umfeld (Freunde / Bekannte ) haben vielleicht eine Lösungsidee.

Wenn hörende Menschen jedoch den Eindruck haben, ihre persönliche schwierige Situation nicht mehr alleine lösen zu können und Hilfe suchen, können sie aus einer Vielzahl von Beratungsangeboten das für sie Passende auswählen.

Doch die vielen psychosozialen Beratungsangebote, die Hörende nutzen können, bleiben für alle Hörgeschädigten, die auf eine Kommunikation in Gebärdensprache angewiesen sind, verschlossen.

Seit Juli 2006 haben Gehörlose, Ertaubte, Rest- und Schwerhörige in Bremen eine Anlaufstelle für private Probleme.

Ob der Tod eines nahen Menschen, die Verarbeitung von Gewalterlebnissen oder das wachsende Bewusstsein über eine Suchtmittelabhängigkeit den Alltag und das Leben belasten.

Mit allen Problemen und Krisen bleiben Gehörlose und Hörgeschädigte allein, wenn es kein spezielles, für sie zugängliches Beratungsangebot gibt.

Noch dazu haben Gehörlose in der Regel Schwierigkeiten beim Lesen, da die deutsche Gebärdensprache sich in der Grammatik wesentlich von der deutschen Lautsprache unterscheidet.

Es ist vergleichbar mit den Schwierigkeiten, die Hörende (in der Regel) hätten, eine französische Tageszeitung oder ein englisches Fachbuch zu verstehen.

Durch die fehlende Möglichkeit des Hörens und den Defiziten im schriftsprachlichen Bereich sind Gehörlose auch von anderen Wegen, sich zu informieren, nahezu abgeschnitten:

Gehörlose können nicht:

Darüber haben sie erhebliche Schwierigkeiten beim:

Allgemeine Informationen sind also deutlich weniger zugänglich.

Außerdem gibt es für Gehörlose und Hörgeschädigte keine Möglichkeit zu Krisenintervention oder Therapie, da es in Bremen keine gebärdensprachkompetenten PsychotherapeutInnen oder ÄrztInnen gibt.

Bis zur Eröffnung der psychosozialen Beratungsstelle des Vereins Hand zu Hand e.V. blieben Hörgeschädigte und Gehörlose mit ihren Sorgen sehr allein.

Nun haben wir ein solches Angebot geschaffen.

Ihre Spende kann helfen, dass es Bestand hat!

Wir denken, gehörlos oder hörgeschädigt zu sein ist eine Besonderheit, die eine besondere Beratung benötigt. Fachkompetente Unterstützung für Gehörlose und Hörgeschädigte setzt unseres Erachtens ein umfangreiches Wissen voraus:

1. Hohe Gebärdensprachkompetenz,
denn nur wer die Gebärdensprache gut beherrscht, kann verstehen, was Gehörlose mit ihren Händen sagen.

2. Wissen um die gehörlose Lebensrealität,
denn nur wer Biographie und Alltag gehörloser Menschen und ihrer Familien kennt, kann das Gesagte einordnen und dadurch vollständig begreifen.

3. Erfahrung in der Beratung Gehörloser,
denn nur dadurch entwickelt sich eine Beratungskompetenz, die es möglich macht, gehörlose Menschen fachkundig zu beraten und zu begleiten.

Neben diesem notwendigen Fachwissen setzt unser Beratungsverständnis die Bildung einer tragfähigen Beziehung zwischen BeraterIn und KlientIn voraus. Eine Beziehung, die geprägt ist von Wertschätzung und Vertrauen, entsteht im Kontakt.

Eine tragfähige Beziehung entsteht in der direkten Kommunikation.

Aus diesem Grund ist es eine Grundvoraussetzung, dass die/der BeraterIn die Sprache der Gehörlosen beherrscht. Ein mit DolmetscherIn geführtes Beratungsgespräch in einer Fachberatungsstelle ist u.E. vor diesem Hintergrund nur begrenzt hilfreich, denn ein Kontakt lässt sich über eineN DolmetscherIn nur schwer aufbauen; die / der Gehörlose kann die / den BeraterIn nicht einmal anschauen, denn ihr/sein Blick ist auf die/den DolmetscherIn gerichtet.

Ziel ist es, gehörlose und stark hörgeschädigte Menschen und Familien in akuten und chronischen Krisen und Konfliktsituationen zu beraten.

In der Beratung wird ein Raum geschaffen, der es den Menschen in der Krise ermöglicht, ihre Gefühle, Bedürfnisse und (Lebens-) Ziele zu ergründen, die eigenen Ressourcen zu erkennen, sowie eigene Potentiale und Wege der Veränderung aufzuspüren.

Die Beratung will Gehörlose und Hörgeschädigte in der Krise befähigen, ihr Leben (wieder) eigenverantwortlich und verantwortungsbewusst gegenüber ihrer Umwelt zu gestalten. Die Beraterinnen tragen dabei nicht wie früher in der Fürsorge üblich und auch heute noch manchmal gewünscht, die "Sorge" für die gehörlosen und hörgeschädigten KlientInnen, sondern begleiten einen Beratungsprozess der eine selbstversorgende, selbstverantwortliche Lösung eines Problems zum Ziel hat. (Beratungssprache ist die Gebärdensprache (DGS - Deutsche Gebärdensprache, LBG - Lautsprachbegleitende Gebärden, Mischformen, je nach Bedarf)).

Für Schwer- und Resthörige, Ertaubte und CI TrägerInnen soll ein Beratungsangebot geschaffen werden, in dem sie die aus der Hörschädigung resultierenden körperlich-seelischen Probleme, sowie die sozialen Auswirkungen thematisieren und bearbeiten können. (Beratungssprache ist je nach Bedarf die Laut- oder Gebärdensprache).

In gehörlos / hörend gemischten Familien können die in der Beratung erarbeiteten, und von allen Familienmitgliedern getragenen, gemeinsamen Zukunftsentwürfe eine Grundlage der Gemeinsamkeit in der Familie bilden. Die im Alltag erlebte Trennung kann mit dieser Hilfe überwunden werden.

Im Verlauf des Beratungsprozesses können Missverständnisse, die aufgrund der Sprachbarriere entstanden sind, und Fehlinterpretationen, die sich seit Jahren halten, neu betrachtet und somit auch leichter aufgelöst werden.

Es kann ein fruchtbarer Boden entstehen, auf dem die (gemischte) Familie mit den Herausforderungen ihrer Lebensrealität in offener, zugewandter und verständnisvoller Weise miteinander leben kann.

Ziel jeder Beratung ist es auch, der für alle Hörgeschädigte und Gehörlose typischen Isolation entgegen zu wirken und dadurch das innewohnende Risiko, psychisch zu erkranken zu vermindern.

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